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Formulierungshilfen zur Pflegeplanung

Bildquelle: kh

Formulierungshilfen zur Pflegeplanung

Im Interview mit dem Fachbuchautor Friedhelm Henke
 

Anlässlich des Erscheinens der 9. Auflage des Werks Formulierungshilfen zur Pflegeplanung führten wir mit dem erfahrenen und erfolgreichen Autor Friedhelm Henke das folgende schriftliche Interview über Formulierungshilfen im Pflegealltag.

Der Gesundheits- und Krankenpfleger ist als Lehrer für Pflegeberufe und als freier Dozent tätig und engagiert sich als Multiplikator der Bundesregierung zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation.

 

An wen richtet sich Ihr Buch „Formulierungshilfen zur Pflegeplanung“?

Das Buch unterstützt den Berufsalltag der Pflegefachkräfte, Pflegeassistenten sowie der Lernenden in der Aus- Fort- und Weiterbildung. Es deckt die Bereiche Pflege und Betreuung ab. So umfasst es sämtliche Lebensaktivitäten, also A(B)EDL sowie alle Themenbereiche des Begutachtungs-Assessments und damit medizinisch-pflegerische Inhalte, wie z. B. „Mobilität“, „Selbstversorgung“, wie auch die sozialpflegerischen Bereiche, wie insbesondere „Leben in sozialen Beziehungen“; „Sich beschäftigen“ und „Kommunizieren“.

 

In Ihrem Buch geben Sie den Lesern zahlreiche Formulierungshilfen, Arbeitshilfen und Dokumentationsvordrucke zur Pflegeprozessplanung an die Hand. Welche großen Vorteile ergeben sich aus den Formulierungshilfen?

Die Leser dieses mittlerweile in der 9. Auflage befindlichen Fachbuches bestätigen erfreulicherweise mehrheitlich den Vorteil, klar strukturierte, rasch erfassbare und nützliche Hilfen zur Dokumentation des Pflegeprozesses verwenden zu können.

 

Warum halten Sie komplett vorgefertigte oder standardisierte Pflegeplanungen für nicht sinnvoll?

Gepflegt wird eben in erster Linie nicht das Papier, sondern vorwiegend tunlichst der einzelne Mensch. Es wäre doch anmaßend, den individuellen Pflegefachvorbehalt einer Bezugspflegekraft vorwegzunehmen, ohne selbst mit den individuellen Gegebenheiten der Pflegeeinrichtung vertraut zu sein. Das ist das Hauptproblem bei der blinden Übernahme vorgefertigter Pflegestandards und Qualitätshandbücher.

 

Manchmal werden „ein unreflektierter Einsatz“ oder „eine Verplanung oder Verzettelung der Pflege“ mit Formulierungshilfen kritisiert. Welche Schwierigkeiten und Probleme sehen Sie? Gibt es aus Ihrer Sicht auch Argumente gegen Formulierungshilfen?

Eine Verzettelung ergibt sich als Folge einer wenig bzw. gar nicht bewussten Auswahl und Verwendung der Formulierungshilfen. Darum meidet z. B. auch das Projekt zur „Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation mit SIS®“ die Verwendung von Musterpflegeplanungen. Das Leben und auch die Pflege sind bunt und somit müssen Standardformulierungen jeweils dem einzelnen Menschen angepasst werden. Darum findet sich vor jedem Abschnitt der Formulierungshilfen für Ressourcen, Probleme, Ziele und Maßnahmen jeweils der deutliche Hinweis „Bitte jeweils individualisieren“!  - Nein, gegen individuell und bewusst ausgewählte Formulierungshilfen und Textbausteinen ist nichts einzuwenden, sie ersetzen nicht den Pflegefachvorhalt, sondern unterstützen selbigen. Wenn mit einem beruflichen Selbstverständnis gemäß des bekannten Zitates von Bertolt Brecht vorgegangen wird:

»Was tun Sie«, wurde Herr K. gefragt, »wenn Sie einen Menschen lieben?« – »Ich mache einen Entwurf von ihm«, sagte Herr K., »und sorg, dass er ihm ähnlich wird.« – »Wer? Der Entwurf?« – »Nein«, sagte Herr K., »der Mensch.«

 

Wie sieht für Sie der ideale Pflegealltag im Hinblick auf die Pflegedokumentation aus?

Routinetätigkeiten werden vereinfacht dokumentiert, damit weniger Zeit für die Pflege des Papiers und viel mehr Zeit für die Pflege des im Mittelpunkt stehenden pflegerisch zu versorgenden Menschen ist. Ideal wäre auch der Einsatz von Stationssekretären, die der Pflegefachkraft zum Beispiel unterstützend einige Fleißarbeiten (Kontrolle, Archivierung und Speicherung von Dokumenten) abnähmen.

 

Was denken Sie, wie sieht die Pflegedokumentation in 5-10 Jahren aus?

Das Projekt zur „Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation“ zielt nun bereits seit mehreren Jahren bundesweit erfolgreich auf die Entbürokratisierung der Pflegedokumentation. Dieser Effekt wird sich in den nächsten 10 Jahren noch verstärken. Es wird noch bewusster dokumentiert und nicht mehr bzw. weniger nur als bloße Pflichtkür. Außerdem wird auch viel mehr mit der Pflegedokumentation gearbeitet, während früher recht vieles zwar dokumentiert, aber kaum nachgelesen wurde. Durch die weiter voranschreitende Digitalisierung werden sich künftig hoffentlich auch noch mehr die Vorteile der Vernetzung von Daten realisieren, damit eine pflegebedürftige Person beispielsweise nicht mehrmals nach ein und denselben Daten befragt wird, sondern einmal erfassten Daten sofort allen am Pflegeprozess beteiligten Personen vorliegen. Diese Hoffnung hatte ich jedoch bereits vor zehn Jahren in der ersten Auflage des Buches geäußert. Wenn ich heute Aufnahmeprozedere in Pflegeeinrichtungen egal ob als Praxisbegleiter, Patient sowie Angehöriger mitbekomme, bemerke ich, dass hier vielerorts noch viel Optimierungsbedarf besteht.

 

In einem Satz – warum ist Ihr Buch für die Pflegeplanung unverzichtbar?

Da infolge der gesetzlich vorgeschriebenen Pflegeplanung im Praxisalltag durch alle Pflegebereiche hindurch große Unsicherheiten bestehen, fördert und fordert dieses Fachbuch das professionelle und ganzheitliche Selbstverständnis aller beruflich Pflegenden.

 

Wir danken Ihnen sehr für das Interview, Ihre Zeit und Mühe.

Das Interview führte Verena Geywitz.

Friedhelm Henke, Formulierungshilfen zur Pflegeplanung, 9. Auflg., Kohlhammer, 2017

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