Interview mit den Herausgeberinnen Christa Büker und Julia Lademann

Prof. Dr. Christa Büker lehrt Pflegewissenschaft im Bachelorstudiengang Pflege (B.Sc.) an der Fachhochschule Bielefeld.

Prof. Dr. Julia Lademann ist Professorin für Pflege- und Gesundheitswissenschaft sowie Studiengangsleitung Pflege (B.Sc.) an der Frankfurt University of Applied Sciences.

Beide sind Herausgeberinnen der Reihe „Bachelor Pflegestudium“, deren ersten beiden Bände „Moderne Pflege heute“ und „Beziehungsgestaltung in der Pflege“ jüngst erschienen sind.

 

Frau Professorin Büker, Sie lehren Pflegewissenschaft an der Fachhochschule Bielefeld, Frau Professorin Lademann, Sie an der Frankfurt University of Applied Science. Dennoch bringen Sie eine gemeinsame Buchreihe für das Bachelorstudium Pflege heraus und haben die ersten beiden Bände gemeinsam geschrieben. Was eint Ihre Studiengänge und warum ist die Reihe nicht nur für eine bestimmte Hochschule geeignet?

Büker: Die Buchreihe richtet sich an primärqualifizierende und ausbildungsintegrierende Bachelorstudiengänge in der Pflege. Zahlreiche Hochschulen in Deutschland bieten inzwischen derartige Studiengänge an. Die Curricula sind recht heterogen. Dennoch gibt es eine Reihe an Kernthemen, die von grundlegender Bedeutung sind und hochschulübergreifend gelehrt werden. Diese Themenfelder stehen im Mittelpunkt unserer Buchreihe.

Lademann: Darüber hinaus bieten viele Hochschulen auch Bachelorstudiengänge für bereits ausgebildete Pflegefachpersonen an, die sich akademisch weiterqualifizieren wollen, z.B. in den Bereichen Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik und Pflegemanagement. Auch für diese Studierenden ist die Buchreihe gedacht.

 

Was möchten Sie Studierenden, die ein Bachelorstudium in der Pflege absolvieren mit den Büchern der Reihe vermitteln?

Lademann: Es geht darum, einen Überblick über pflegewissenschaftlich relevantes Grundwissen zu bieten. Mit dem Bachelorstudium streben die Studierenden einen ersten akademischen Abschluss an, mit dem Ziel sowohl eine berufliche als auch eine weiterführende akademische Karriere einzuschlagen.

Büker: Wir möchten den Studierenden Rüstzeug für eine wissenschaftsbasierte Pflegepraxis vermitteln. Die Bücher zeichnen sich durch eine enge Verknüpfung von Theorie, Empirie und Praxis aus. Auf diese Weise wollen wir verdeutlichen, dass pflege- und bezugswissenschaftliche Theorien und Konzepte sowie aktuelles, evidenzbasiertes Wissen eine elementare Grundlage für pflegeberufliches Handeln bilden.

 

Die Pflege akademisiert sich zunehmend. Was bedeutet das für die Praxis? Wo sehen Sie die Pflege in zehn Jahren?

Büker: Die Akademisierung der Pflege schreitet zwar voran, aber nur sehr langsam. Ich hoffe, dass dieser Prozess in den nächsten zehn Jahren Fahrt aufnimmt, so dass wir in Deutschland nicht mehr das Schlusslicht in Europa bilden. Europaweit erfolgt eine Qualifizierung in der Pflege auf einem akademischen Niveau. Von der Akademisierung verspreche ich mir zum einen eine Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufs und zum anderen – und das ist mir das Wichtigste – eine Steigerung der Pflegequalität.

Lademann: Die Herausforderungen der pflegerischen Versorgung unserer Gesellschaft sind groß – dies wird endlich erkannt. Ob Fachkräftemangel oder Qualitätseinbußen: Wir benötigen dringend Antworten auf die Fragen, wie es zu dieser Situation gekommen ist, wie genau sich die Probleme im Detail darstellen und welche Lösungsmöglichkeiten denkbar sind. Zur Entwicklung innovativer Ansätze und neuer Antworten ist wissenschaftlich fundierte pflegerische Expertise nötiger denn je.

 

Wem würden Sie ein Bachelorstudium der Pflege empfehlen? Wie sehen die Berufschancen für Pflegende mit einem Bachelorabschluss aus?

Lademann: Wer sich für einen interaktionsintensiven, abwechslungsreichen und anspruchsvollen Beruf interessiert, findet dies alles und mehr in der Pflege. Mit einem akademischen Abschluss erhält man neben den beruflich-praktischen Kompetenzen vor allem auch die Fähigkeit, kritisch und innovativ weiterzudenken. Wer ein berufliches Feld neu und zukunftsweisend mitgestalten will, bringt als akademisch qualifizierte Pflegefachperson die besten Voraussetzungen mit.

Büker: Jungen Menschen, die sich für den Pflegeberuf interessieren, und die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen (Allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife) würde ich heutzutage grundsätzlich ein Pflegestudium empfehlen. Mit einem Bachelorabschluss ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der beruflichen Entwicklung oder es kann ein weiterführendes Masterstudium angeschlossen werden. Die beruflichen Perspektiven mit einem akademischen Abschluss sind hervorragend. In vielen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen werden inzwischen gezielt akademisierte Pflegende gesucht.

 

Der zweite Band der Reihe befasst sich mit der Beziehungsgestaltung im Pflegeberuf. Warum ist theoretisches Hintergrundwissen insbesondere für Pflegende mit akademischer Ausbildung so wichtig?

Büker: Theoretisches Hintergrundwissen ist von elementarer Bedeutung für die praktische Arbeit. Dies wird beim Thema der Beziehungsgestaltung besonders deutlich. Die Pflegebeziehung gilt als ein Kernelement pflegerischen Handelns. In nahezu allen Lehrbüchern wird auf die zentrale Bedeutung der Pflegebeziehung als Identitätsmerkmal und Instrument professioneller Pflege hingewiesen. Wenn es jedoch um ihre pflegetheoretische Verortung und konkrete Ausgestaltung geht, stoßen wir auf eine Leerstelle. Diese Lücke wollen wir mit dem zweiten Band der Buchreihe schließen.

Lademann: Oftmals wird unterstellt, dass diejenigen, welche den Pflegeberuf ergreifen, bereits alle notwendigen sozialen Kompetenzen mitbringen. Studien weisen darauf hin, dass dies offensichtlich nicht so ist: Unsicherheiten und Probleme im menschlichen Umgang haben sowohl auf die beruflich Pflegenden als auch auf die pflegebedürftigen Menschen negative Auswirkungen. Wenn Pflegefachpersonen verstehen, wie professionelle Beziehungen „funktionieren“, können sie mithilfe von theoriebasiertem Wissen einen angemessenen Umgang entwickeln. Diese dient nicht nur einer besseren Versorgung pflegebedürftiger Menschen, sondern dient auch den Pflegefachpersonen selbst.

Wir danken Frau Prof. Dr. Büker und Frau Prof. Dr. Lademann sehr für dieses schriftliche Interview!

Nähere Informationen zur Reihe und den Bänden der Reihe erhalten Sie, wenn Sie auf die folgenden Titel klicken:

Büker/Lademann (R-Hrsg.): Bachelor Pflegestudium

Büker/Lademann/Müller: Moderne Pflege heute, 2018, 978-3-17-032109-0

Büker/Lademann: Beziehungsgestaltung in der Pflege, 2019, 978-3-17-032113-7